Benzinbleigesetz: hat sich die Belastung von Mensch und Umwelt mit Blei verringert?

Aufgrund des Benzinbleigesetzes sanken die atmosphärischen Emissionen von Blei in Deutschland von 1985 bis 1995 um bis zu 65%. Parallel zum Rückgang des Verbrauchs an bleihaltigem Benzin nahm die Bleikonzentration in Humanproben und terrestrischen Umweltproben seit Inkrafttreten des Gesetzes kontinuierlich ab. In Proben aus marinen und Fließgewässer-Ökosystemen ist ein eindeutiger Trend zur Abnahme der Bleibelastung nicht festzustellen.

Das Gesetz zur Verminderung von Luftverunreinigungen durch Bleiverbindungen in Ottokraftstoffen für Kraftfahrzeugmotore vom 05.08.1971 begrenzt u.a. den Bleigehalt des Benzins auf 0,15 g/L und den Bleigehalt unverbleiten Benzins auf eine Verunreinigungsgröße von höchstens 0,013 g/L. Darüber hinaus enthält es ein nationales Verbot bleihaltigen Normalbenzins.

Belastung des Menschen

Die Bleikonzentration im Vollblut der Probandenkollektive Münster sank von über 70 µg/L (1981) innerhalb von 26 Jahren um ca. 83% auf Werte unterhalb von 15 µg/L (2008) und lag damit weit unter dem bei Erwachsenen tolerierbaren Wert von bis zu 150 µg/L.
Von der Kommission Human-Biomonitoring wurden für den Bezugszeitraum 1997/1999 folgende Referenzwerte für Blei ermittelt: 90 µg/L für 18-69-jährige Männer und 70 µg/L für 18-69-jährige Frauen. Diese Werte werden deutlich und mit weiterhin abnehmender Tendenz unterschritten. In Anbetracht des Fehlens einer Wirkschwelle und auf Grund der Einstufung der MAK-Kommission von Blei in die Kategorie 2 („als Krebs erzeugend für den Menschen anzusehen“) hat die Kommission die HBM-Werte für Blei im Blut aller Personengruppen ausgesetzt.

Blei im Vollblut, Studentenkollektiv (Gesamt), Münster seit 1981
Abb. 1: Blei im Vollblut, Studentenkollektiv (Gesamt), Münster seit 1981 Vergrößert anzeigen
 

Ost-West Vergleich

Beim Ost-West Vergleich zwischen den Kollektiven Halle/Saale und Greifswald sowie Münster und Ulm lassen sich nur geringe Unterschiede feststellen, tendenziell sind die Bleigehalte im Vollblut von Probanden aus den neuen Bundesländern etwas höher.

Belastung von terrestrischen Umweltproben

In Fichtentrieben und Pappelblättern aus dem Saarländischen Verdichtungsraum sank die Bleikonzentration von 1985 bzw. 1991 bis zu den letzten Untersuchungsjahren um den Faktor 4 bis 8 auf Werte unterhalb von 1 mg/kg TG.

Blei in Fichtentrieben
 Abb. 2: Blei in Fichtentrieben Vergrößert anzeigen
 
Blei in Pappelblättern
 Abb. 3: Blei in Pappelblättern Vergrößern?
 

Belastung der aquatischen Umwelt

In Proben aus marinen und Fließgewässer-Ökosystemen ist ein eindeutiger Trend zur Abnahme der Bleibelastung seit Inkrafttreten des Benzinbleigesetzes nicht festzustellen. Der Hauptgrund hierfür ist, dass sich das nicht abbaubare Blei in Sedimenten anreichert.

In Miesmuschel-Homogenaten von Eckwarderhörne (Nordsee) wurden im Untersuchungszeitraum Bleigehalte zwischen 1,9 und 3,7 mg/kg TG gemessen. Ähnliche Konzentrationen finden sich in Miesmuscheln von der Ostsee-Probenahmefläche Darßer Ort (1,9 - 3,5 mg/kg TG). Dagegen waren die Bleigehalte in Miesmuschel-Homogenaten aus dem Sylt-Römö-Watt (südlich Lister Hafen und Königshafen) über den gesamten Beobachtungszeitraum niedriger (1,0 - 2,3 mg/g TG).

Als Vergleichswert wird die von der Oslo/Paris-Kommission (OSPAR) empfohlene Hintergrund- bzw. Referenzkonzentration für Blei in Miesmuscheln von 0,01-0,19 mg/kg, bezogen auf das Frischgewicht (FG) herangezogen. Anhand der nachgewiesenen Bleikonzentrationen von 0,10 mg/kg FG (Ostsee) bis 0,16 mg/kg FG (Nordsee) sind die hier untersuchten Proben als wenig belastet einzustufen.

Blei in Miesmuscheln
 Abb. 4: Blei in Miesmuscheln Vergrößern?
 

Bewertungshinweise für Miesmuscheln

Für die Bewertung der Schadstoffkonzentrationen im Hinblick auf das Schutzgut „menschliche Gesundheit“ ist der von der Kommission der Europäischen Gemeinschaften festgelegte Höchstgehalt für Blei (1,5 mg/kg FG) maßgeblich.
Die im Jahr 2010 nachgewiesenen Bleikonzentrationen in Miesmuschelproben lagen mit 0,10 mg/kg FG (Ostsee) und 0,08 bzw. 0,16 mg/kg FG (Nordsee) deutlich unterhalb dieses Höchstgehalts.

Weiterführende Informationen

Verweise auf externe Informationen und gesetzliche Regelungen