Anreicherungsverhalten von Schwermetallen im marinen Nahrungsnetz

Die Untersuchung von Organismen verschiedener trophischer Ebenen ermöglicht Aussagen zum Anreicherungsverhalten von Stoffen im Nahrungsnetz. Blei wird im marinen Nahrungsnetz nicht angereichert. Die höchsten Konzentrationen finden sich in Miesmuscheln. Im Gegensatz dazu zeigt Quecksilber eine deutliche Anreicherung und die höchsten Konzentrationen werden in Möweneiern beobachtet.

Die ausgewählten marinen Probenarten der Umweltprobenbank (UPB)repräsentieren verschiedene Ebenen des marinen Nahrungsnetzes: Blasentang ist ein Primärproduzent, der mithilfe von Photosynthese Biomasse aus anorganischen Stoffen aufbaut. Die Ebene der Primärkonsumenten (Pflanzenfresser) wird durch die Miesmuschel repräsentiert, die Partikel (vor allem Mikroalgen) aus dem Wasser filtert. Dagegen ernähren sich Aalmuttern als Sekundärkonsumenten im Wesentlichen von Primärkonsumenten wie Muscheln, Schnecken und Würmern. Möwen sind omnivore Konsumenten (Allesfresser) im marinen Nahrungsnetz. Sie ernähren sich vor allem von Muscheln und Krebstieren. Sie erbeuten aber auch Nahrung auf dem Land.
Die Betrachtung dieser verschiedenen Nahrungsnetz-Ebenen ermöglicht es, das Anreicherungsverhalten von Schadstoffen im Ökosystem abzuschätzen und die durch einen Schadstoff besonders betroffenen Organismen zu identifizieren. Beispielhaft lässt sich dies für die Schwermetalle Blei und Quecksilber zeigen, deren Anreicherungsverhalten im marinen Nahrungsnetz weitgehend bekannt ist und durch die Daten der Umweltprobenbank bestätigt wird.

Blei wird im Nahrungsnetz nicht angereichert. Die Abbildungen 1 und 2 zeigen dies exemplarisch für Miesmuscheln und Möweneier aus dem Schleswig-Holsteinischen Wattenmeer für die Jahre 2000 bis 2010. Die höchsten Konzentrationen finden sich in Miesmuscheln (Mittelwert: 1,69 ± 0,36 µg/g Trockengewicht) und Blasentang (MW: 0,51 ± 0,13 µg/g TG), während die Gehalte in Aalmuttern (MW Leber: 0,07 ± 0,05 µg/g TG; MW Muskel: 0,03 ± 0,01 mg/g TG) und Möweneiern (MW: 0,04 ± 0,03 µg/g TG) deutlich geringer sind.

Blei [µg/g Trockengewicht] in Miesmuscheln aus dem Schleswig-Holsteinischen Wattenmeer im BR/NP Wattenmeere
Abb. 1: Blei [µg/g Trockengewicht] in Miesmuscheln aus dem Schleswig-Holsteinischen Wattenmeer im BR/NP Wattenmeere Vergrößert anzeigen

 

Blei in Silbermöweneiern [ng/g Trockengewicht] aus dem Schleswig-Holsteinischen Wattenmeer im BR/NP Wattenmeere.
Abb. 2: Blei in Silbermöweneiern [ng/g Trockengewicht] aus dem Schleswig-Holsteinischen Wattenmeer im BR/NP Wattenmeere. Vergrößert anzeigen

 

Um die ökosystemare Belastung mit Blei oder Stoffen mit ähnlichem Anreicherungsverhalten abzuschätzen, ist demnach die Untersuchung von Primärkonsumenten wie Muscheln sinnvoll und wird auch bereits in zahlreichen nationalen und internationalen Programmen umgesetzt.

Dagegen zeigt sich bei Quecksilber eine deutliche Zunahme im Nahrungsnetz (Biomagnifikation). Für die Probenahmeflächen im Niedersächsischen Wattenmeer ist dies in den Abbildungen 3 und 4 anhand der Quecksilbergehalte in Miesmuscheln und Möweneiern für die Jahre 2000 bis 2012 veranschaulicht. Die niedrigsten Gehalte finden sich in Blasentang (MW: 56,3 ±  8,3 ng/g TG) und steigen mit zunehmender Ebene im Nahrungsnetz (Mittelwerte Miesmuschel: 278 ± 42,8 ng/g TG, Aalmutter Muskulatur: 457 ± 100 ng/g TG und Möwenei 566 ± 96,4 ng/g TG).

Quecksilber in Miesmuscheln [ng/g Trockengewicht] aus dem Niedersächsischen Wattenmeer im BR/NP Wattenmeere
Abb. 3: Quecksilber in Miesmuscheln [ng/g Trockengewicht] aus dem Niedersächsischen Wattenmeer im BR/NP Wattenmeere Vergrößert anzeigen

 

Quecksilber in Möweneiern [ng/g Trockengewicht] aus dem Niedersächsischen Wattenmeer im BR/NP Wattenmeere
Abb. 4: Quecksilber in Möweneiern [ng/g Trockengewicht] aus dem Niedersächsischen Wattenmeer im BR/NP Wattenmeere Vergrößert anzeigen

 

Stoffe mit einem derartigen Biomagnifikationspotential belasten die Endkonsumenten eines Nahrungsnetzes im besonderem Umfang.

Fazit

Das Anreicherungsmuster der Schwermetalle Blei und Quecksilber zeigt beispielhaft das unterschiedliche Verhalten von Stoffen in Ökosystemen. Durch die Untersuchung von repräsentativen Organismen verschiedener Ebenen des Nahrungsnetzes können die von einem Schadstoff besonders betroffenen Organismen identifiziert werden. Dies kann als Grundlage für weitere Monitoring-Programme wie beispielsweise der Überprüfung von regulatorischen Maßnahmen dienen.

Aktualisiert am: 03.07.2019

Weiterführende Informationen

Literaturangaben